Stand: August 2026 · Lesezeit: ca. 7 Minuten · Keine Rechtsberatung
Was verlangt Art. 4 AI Act konkret von Unternehmen?
Art. 4 EU AI Act verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen,
nach besten Kräften sicherzustellen, dass ihr Personal und andere in ihrem
Auftrag tätige Personen über ein ausreichendes Maß an
KI-Kompetenz verfügen. Die Vorschrift ist bereits seit dem
2. Februar 2025 anwendbar.
„KI-Kompetenz“ meint dabei nicht, dass jeder Mitarbeitende neuronale Netze
erklären können muss. Gemeint sind die Fähigkeiten und Kenntnisse, KI-Systeme
sachkundig einzusetzen, ihre Chancen und Risiken einzuschätzen und mögliche
Schäden zu erkennen. Das Gesetz verlangt ausdrücklich eine Berücksichtigung
von technischem Wissen, Erfahrung, Ausbildung und Schulung der Personen sowie
des Kontexts, in dem die KI-Systeme eingesetzt werden. Es gibt also keinen
starren Lehrplan — sondern eine Pflicht, die Schulung an Ihr Unternehmen und
Ihre konkreten KI-Anwendungen anzupassen. Das ist für kleine Unternehmen eine
gute Nachricht: Eine passgenaue interne Unterweisung kann genügen, ein
teures Zertifikats-Seminar ist nicht vorgeschrieben.
Wer muss geschult werden – alle Mitarbeiter oder nur KI-Nutzer?
Geschult werden müssen die Personen, die mit dem Betrieb und der Nutzung
von KI-Systemen befasst sind — also alle, die in Ihrem Unternehmen oder in
Ihrem Auftrag KI einsetzen. Wer nachweislich gar nicht mit KI arbeitet,
muss nicht geschult werden. In der Praxis ist dieser Kreis aber oft größer
als gedacht.
Denken Sie über die offensichtlichen Fälle hinaus: Das Marketing-Team, das
mit ChatGPT Texte entwirft, ist klar erfasst. Aber auch die Sachbearbeitung,
die ein KI-gestütztes OCR-Tool für Rechnungen nutzt, der Vertrieb mit
KI-Funktionen im CRM oder die Assistenz, die Meetings per KI transkribieren
lässt. Auch Freelancer, Werkstudenten und Minijobber zählen
dazu, wenn sie in Ihrem Auftrag mit KI arbeiten. Sinnvoll ist deshalb eine
kurze Bestandsaufnahme: Welche KI-Tools sind im Einsatz, wer nutzt sie, in
welchem Kontext? Diese Liste ist zugleich das Fundament für Ihre
Schulungsplanung — und hilft nebenbei bei der
Einordnung Ihrer KI-Systeme
in die Risikoklassen des AI Act.
Welche Inhalte muss eine KI-Schulung abdecken?
Der AI Act schreibt keine Pflichtinhalte vor. Aus dem Zweck der Norm ergibt
sich aber ein Kernprogramm: Grundverständnis der eingesetzten KI-Systeme,
ihre Grenzen und typischen Fehler, die relevanten Pflichten aus dem AI Act
sowie die internen Regeln — etwa welche Daten in welche Tools dürfen und
wann gekennzeichnet werden muss.
Ein bewährter Aufbau für eine interne KI-Schulung:
- Grundlagen: Was können die eingesetzten Tools, was nicht?
Halluzinationen, Bias und veraltetes Wissen als typische Fehlerquellen.
- Datenschutz und Vertraulichkeit: Welche Daten dürfen in
welches Tool — und welche auf keinen Fall (Kundendaten, Geschäftsgeheimnisse)?
- Rechtsrahmen: Überblick über den AI Act, insbesondere die
Transparenzpflichten nach Art. 50 — wann müssen Chatbots, KI-Bilder und
KI-Texte gekennzeichnet werden? Grundlagen dazu liefern unsere
FAQ zur Kennzeichnungspflicht.
- Interne Spielregeln: Freigabeprozesse, menschliche Kontrolle
der Ergebnisse, Ansprechpartner bei Unsicherheit.
- Praxisteil: Übungen mit den tatsächlich genutzten Tools —
inklusive der Frage, wie ein KI-Hinweis konkret aussieht (zum Beispiel aus
dem kostenlosen Hinweistext-Generator).
Reicht eine interne Unterweisung oder braucht es Zertifikate?
Eine interne Unterweisung kann genügen. Art. 4 verlangt ein
ausreichendes Maß an KI-Kompetenz — nicht ein bestimmtes Format, keinen
externen Anbieter und kein Zertifikat. Entscheidend ist, dass die Inhalte
zum tatsächlichen KI-Einsatz und zum Vorwissen der Mitarbeitenden passen
und dass Sie die Durchführung nachweisen können.
Die Formfrage ist also eine Zweckmäßigkeitsfrage: Für ein zehnköpfiges Team,
das Textassistenten und ein KI-Bildtool nutzt, reicht typischerweise eine
strukturierte interne Schulung mit Praxisteil und kurzer Lernkontrolle.
Externe Seminare oder Zertifikatskurse sind sinnvoll, wenn spezielles Wissen
gebraucht wird — etwa wenn Sie ein Hochrisiko-System betreiben oder KI selbst
entwickeln. Ein Zertifikat ist dann ein bequemer Nachweis, aber kein
Selbstzweck. Wichtiger als das Papier ist die Passung: Eine generische
Schulung, die an Ihren tatsächlichen Tools vorbeigeht, erfüllt den Zweck der
Norm schlechter als eine kurze, konkrete Unterweisung am echten Arbeitsplatz.
Wie dokumentieren Sie die Schulung revisionssicher?
Dokumentieren Sie mindestens: wer wann zu welchen Inhalten geschult wurde,
von wem, mit welchen Materialien — und lassen Sie die Teilnahme bestätigen.
So können Sie gegenüber Behörden, Auftraggebern oder im Streitfall belegen,
dass Sie Ihrer Pflicht aus Art. 4 nachgekommen sind.
Eine schlanke Dokumentation umfasst:
- Schulungskonzept (1–2 Seiten): Zielgruppen, Inhalte, Turnus.
- Teilnahmeliste mit Datum, Namen und Unterschrift bzw.
digitaler Bestätigung.
- Schulungsunterlagen in der jeweils verwendeten Version —
mit Versionsdatum, damit spätere Aktualisierungen nachvollziehbar sind.
- Tool-Inventar: Liste der eingesetzten KI-Systeme, auf die
sich die Schulung bezieht.
- Wiederholungsplan: Wann wird aufgefrischt, wann werden
neue Mitarbeitende nachgeschult?
Schulungsplan-Vorlage für kleine und mittlere Unternehmen
So könnte ein pragmatischer Schulungsplan für ein KMU aussehen, das
KI-Assistenten im Alltag nutzt, aber keine eigenen KI-Systeme entwickelt:
Beispiel-Schulungsplan für KMU
| Baustein |
Zielgruppe |
Dauer |
Turnus |
| Basis-Unterweisung: KI-Grundlagen, Risiken, interne Regeln |
Alle KI-Nutzenden |
60–90 Min. |
Einmalig + bei Neueintritt |
| Vertiefung Kennzeichnung: Art. 50, Hinweistexte, Freigaben |
Marketing, Kommunikation, Website-Verantwortliche |
45 Min. |
Jährlich |
| Tool-Einweisung bei neuen KI-Systemen |
Betroffene Teams |
30–60 Min. |
Bei Einführung |
| Kurz-Auffrischung: Änderungen bei Tools und Rechtslage |
Alle KI-Nutzenden |
20–30 Min. |
Jährlich |
Die Zeitangaben sind Erfahrungswerte für den Einstieg, keine gesetzlichen
Vorgaben — passen Sie sie an Komplexität und Risiko Ihrer KI-Nutzung an.
Wer etwa KI-Inhalte auf Social Media veröffentlicht, sollte den Baustein
Kennzeichnung um die Plattform-Regeln ergänzen — Details dazu im Ratgeber
KI-Posts auf
Social Media kennzeichnen.
Praktischer Baustein für Ihre Schulung
Kennzeichnung gleich richtig umsetzen
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Art. 50 — ideal als Praxisteil Ihrer internen Schulung. Mit
Pro (29 Euro) zusätzlich mit White-Label-Export
und Vorlagen auf Englisch und Französisch.
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